Forschung // Freiraum

Die Forderungen nach grösseren Freiräumen zur Innovationsförderung haben sich in den letzten Jahren massiv erhöht. Sie sind die Folge von Entwicklungen, die die meisten Unternehmen gut kennen: Globalisierung, wachsender Effizienzdruck, verkürzte Innovationszyklen, dynamische Technologieentwicklung, der Zwang Innovationsprozesse stärker zu öffnen, mit externen Innovationspartnern zu kollaborieren und interdisziplinär zusammenzuarbeiten. Diese Entwicklungen führten einerseits zu einem erhöhten Freiheitsbedarf, d.h. es werden dezentrale Strukturen geschaffen, die Mitarbeitenden werden flexibel eingesetzt, die Unternehmen setzen auf Selbstorganisation und Selbststeuerung.
Mitarbeitende können heute viel mehr selbst (und lokal) bestimmen als früher. Andererseits führten diese Entwicklungen zu einem erhöhten Bedarf an Zentralisierung, Standardisierung und einer konsequenten Prozessorientierung, d.h. Ordnung und Kontrolle.

Der Begriff Freiraum vereint die Konzepte „Freiheit“ und „Raum“. Die Idee der Freiheit als Inspirationsquelle für Kreativität und Innovation kann als abstrakter Begriff nur erfahren werden, in dem sie im Raum gegeben ist, d.h. durch irgendetwas begrenzt ist. Ohne die Definition einer Grenze ist die Bestimmung von Freiheit, verstanden als Kontrollfreiheit, nicht möglich. Das ist der Frei-Raum: Die Konkretisierung der Idee „Freiheit“.

Freiheit kann auch als Verschonung verstanden werden. Mitarbeitende erleben dann Freiheit, wenn sie von irgendeiner Form von betrieblichen Zwängen „verschont“ bleiben. In der Praxis ist oft die Rede von „den Rücken frei halten“ – und damit ist das frei halten von Zwängen wie z.B. Bürokratie oder Finanzkennzahlen gegenüber bestimmten Mitarbeitenden gemeint. Diese Form von Freiraum kann man als Schonraum verstehen.